16.05.2006
Medienfußball: Vom
Sportereignis zum Produktionskomplex
Das Medienereignis „Fußball“ stößt an
seine Grenzen. Explodierende Kosten für Rechte und
Transfers erhöhen den Druck auf die effektive Vermarktung
der Spiele. Werbe-Bannmeilen sollen die alleinige Präsenz
der Sponsoren um die WM-Stadien sichern. Traditionsclubs
wandeln sich zu Marken, denen die Fans nichts mehr
abgewinnen können. Der nun erscheinende Band
„Medienfußball im europäischen Vergleich“
verfolgt die Entwicklung des Fußballs vom Sportereignis zum
Produktionskomplex.
Zentrale Frage des Bands ist, in welchem Verhältnis
Identität, Sport, Medien und Markt heute zueinander stehen.
Welche regionalen, nationalen und transnationalen
Identitäten bietet Fußball noch? Wie sehen die
Marketingkonzepte aus, denen der Komplex
„Fußball“ mittlerweile gehorcht? Die 16 Autoren
des Bandes, unter ihnen namhafte Vertreter der Politik-,
Kultur-, Sport-, und Kommunikationswissenschaft,
diskutieren diese Fragen anhand konkreter Erkenntnisse aus
ihren jeweiligen Disziplinen.
Der Blick der Beiträge richtet sich nicht nur auf die
Inszenierung des Sports durch die etablierten
Medienkonzerne, sondern auch auf die Medienaktivitäten der
Fans selbst. Thematisch wird ein breites Feld abgedeckt:
Die vorgestellten Studien reichen von der Geschichte der
Fußballvermarktung in Deutschland über den Fußballspielfilm
bis zum „nachbarschaftlichen Dissen“ zwischen
deutschen und niederländischen Fans.
Das Buch bietet einen umfassenden Einblick in aktuelle
Tendenzen der Fußballberichterstattung und -vermarktung. Es
wendet sich nicht nur an Wissenschaftler und
(Sport-)Journalisten, sondern ist darüber hinaus jedem zu
empfehlen, der sich, gerade im Vorfeld der
Weltmeisterschaft, einen kritischen Überblick über das
Thema „Medienfußball“ verschaffen will.